Deutsche Rhododendron-Gesellschaft e.V.

Deutsche
Rhododendron-Gesellschaft e.V. (DRG)

Gemeinnützige Gesellschaft für immergrüne Laub- und Nadelgehölze

75th Anniversary

Internationales Rhododendron-Symposium anlässlich des 75 Geburtstages der Deutschen Rhododendron-Gesellschaft e.V.
Zahlreiche Fachführungen durch den Rhododendron-Park Bremen begeisterten die Teilnehmer.
Der neue Präsident Dr. André-Michael Schultz (links) gratuliert dem neuen Ehrenpäsidenten Berndt-Adolf Crome (mitte) zur Taufe einer Rhododendron-Hybride auf dessen Namen (ganz links). Züchterfirma ist Joh. Bruns, vertreten durch Jan-Dieter Bruns (rechts)

Im Mai 2010 feierte die Deutsche Rhododendron-Gesellschaft e.V (DRG) mit über 200 Teilnehmern aus 15 Nationen in Bremen ihren 75. Geburtstag. Den Auftakt machte das Internationale Rhododendron-Symposium, gefolgt von den eigentlichen Geburtstagsfeierlichkeiten. Eine zweitägige Exkursion zu verschiedenen Parks und Baumschulen des Ammerlands sowie Nachexkursionen mit Zielen in Ostfriesland, Hamburg und Schleswig-Holstein rundeten das umfangreiche Programm ab.

Auf dem Internationalen Rhododendron-Symposium am 19. und 20. Mai 2010 wurden die Teilnehmer zu den Naturstandorten in Amerika und Asien geführt und mit den Aktivitäten jener Länder vertraut gemacht, die Rhododendron in ihren Gärten kultivieren. Die Themen waren bewusst für das vorwiegend aus Liebhabern bestehenden Publikums nicht wissenschaftlich ausgerichtet. Die Vorträge sollten vielmehr die gesamte Bandbreite der Rhododendron-Kultur in den verschiedenen Ländern herausstellen, geschichtliche Hintergründe für die heutige Vielfalt und Beliebtheit der Rhododendron aufzeigen, sowie die wichtigsten Heimatgebiete mit ihren faszinierenden und abwechslungsreichen Standorten vorstellen.
Hartwig Schepker stellte die Deutsche Genbank Rhododendron vor. Ziel war es vor allem, den internationalen Gästen die Mannigfaltigkeit der deutschen Rhododendron-Sammlungen und -Gärten und die große Zahl der hier kultivierten Arten und Sorten vorzustellen.
Wilbert Hetterscheid berichtete von den Sammlungs-Bestrebungen in den Niederlanden und ging auf die Tradition der Rhododendron-Kultur dort ein.
Marc Colombel, Gründer und ehemaliger Präsident der Bretonischen Rhododendron-Gesellschaft führte die große Bedeutung französischer Missionare für die Entdeckung und Bearbeitung vieler Rhododendron-Arten aus und berichtete über die zahlenmäßig eher wenigen aber dennoch beachtenswerten Züchtungs- und Sammlungsbemühungen im Nordwesten Frankreichs.
Philippe de Spoelberch referierte über die Geschichte der einflussreichen Rhododendron- und Azaleen-Züchtung in Belgien und stellte neben den wichtigsten Sammlungen des Landes auch die gartenwürdigsten Vertreter aus der Sektion Fortunea vor.
Auf unterhaltsame Art und Weise beschrieb anschließend Svend Hansen aus Dänemark seinen langen Weg vom Sammeln der Arten in China bis hin zur Auslese erstklassiger Klone.
David Millais aus England gab einen Abriss über die den Rhododendron-Boom in Europa auslösende Züchtungsgeschichte in Großbritannien und über die aktuellen Herausforderungen bei der Erhaltung alter englischer Hybriden sowie über die Entstehung neuer britischer Sorten.
Robert Hatcher, Vizepräsident der Australischen Rhododendron-Gesellschaft berichtete über die schwierigen Kulturbedingungen im hitze,- flut- und sturmgeprägten "down under".
Deutlich paradiesischere Wuchsbedingungen finden Rhododendron dagegen in Neuseeland vor. Tony Fitchett, Vizepräsident der Neuseeländischen Rhododendron-Gesellschaft, förderte mit seinen Bildern von unglaublich wüchsigen Rhododendron-Pflanzen in Sammlungen wie Pukeiti oder Dunedin den Wunsch auf eine weite Reise auf die andere Seite der Erdkugel.
Unter wesentlich schwierigeren Bedingungen wiederum kultiviert John Weagle an der Westküste Kanadas. Er beschrieb die Ergebnisse von 50 Jahren Züchtung vor allem kleinwüchsiger, lepidoter Rhododendron im eiskalten Nova Scotia.
Don Hyatt von der Amerikanischen Azaleen-Gesellschaft stellte sehr unterhaltsam und mit hervorragenden Bildern die farbenprächtigen laubabwerfenden Azaleen Nordamerikas vor.
George Argent aus Schottland entführte die Zuhörer zu den Vireya-Rhododendron auf Neuguinea und Borneo.
In ähnlich faszinierende Gebiete begab sich der Vortrag von Steve Hootman von der Rhododendron Species Foundation aus den USA: Getrennt nach den drei Hauptlebensbereichen der Rhododendron - subtropischer Nebelwald, Bergwald und alpine Zone - stellte er zahlreiche Arten aus dem Sino-Himalaya und ihre Habitate vor.
Den Abschluss des Symposiums bildete der Vortrag von Kenneth Cox, der in seinem Vortrag die Entwicklung der Rhododendron von den Naturstandorten hin zu ihrer Verwendung im Garten anhand interessanter Beispiele vorstellte.

Der Nachmittag des 20. Mai 2011 gehörte den Festveranstaltungen zum 75. Geburtstag der Gesellschaft im historischen Schwursaal des Landerichtes Bremen. Hier wurde Bernd-Adolf Crome, nach 22 Jahren als Präsident der DRG verabschiedet und zugleich zum Ehrenpräsidenten ernannt. Als Nachfolger wurde der bisherige Vizepräsident Dr. André-Michael Schultz gewählt. Für über 40-jährige Mitgliedschaft wurden zahlreiche Mitglieder geeehrt. Die anwesenden Jubilare Edith Hanslitschek, Walter Schmalscheidt, Jan-Dieter Bruns für die Baumschule Joh. Bruns und Klaus Stöckmann für die Baumschule Ernst Stöckmann erhielten ihre Urkunde zusammen mit der silbernen DRG-Nadel. Eine besondere Ehre wurde zudem Walter Schmalscheidt zuteil, der aufgrund seiner Lebensleistung auf dem Feld der Rhododendron-Sorten zum Ehrenmitglied der DRG ernannt wurde.
Der 21. Mai war dann dem Bremer Rhododendron-Park gewidmet. Etwa 150 Teilnehmer nahmen an zahlreichen Führungen und Seminaren teil. Um nur einige zu nennen: Steve Hootman sowie Peter und Kenneth Cox gaben eine Einführung in die Bestimmung von Rhododendron-Arten, George Argent stellte im Borneo-Gewächshaus der botanika mit Unterstützung von Martin Monthofer die Vireya-Rhododendron vor. Ein Rhododendron-Preisrätsel und die Taufe einer neuen Rhododendron-Sorte zu Ehren des langjährigen Präsidenten Berndt-Adolf Crome sorgten für Abwechslung.

Die Exkursionen begannen am 22. Mai mit einer Fahrt mit zwei Bussen ins Ammerland. Erstes Ziel war die alle vier Jahre stattfindende RHODO in Westerstede, Europas größte Rhododendron-Schau. 80 Marken-Baumschulen hatten die Kreisstadt auf über 20.000 m2 in ein Blütenmeer verwandelt.
Einen weiteren Eindruck von der Schlagkräftigkeit der Oldenburger Baumschulen erhielten die Teilnehmer in den Baumschulen Gerstenkorn, Ernst Stöckmann, Joh. Bruns, Diderk Heinje und Fredo Schröder. Szenenapplaus, Beifallsrufe und ungläubiges Staunen wechselten sich ab.
Der Nachmittag des 23. Mai wurde im Park der Gärten in Bad Zwischenahn verbracht, in dem die Rhododendron und Azaleen ebenfalls in voller Blüte standen. Unter der sachkundigen Führung von Björn Ehsen, Heinrich Beltz und weiteren Kollegen wurden die vielen Themengärten, aber auch die Versuchspflanzungen auf dem Gelände der benachbarten Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau besichtigt.
Die Nachexkursionen führten zunächst am 24. Mai nach Ostfriesland zum Schlosspark Lütetsburg, ein Landschaftsgarten im frühromantischen Stil, der zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieses Typs auf dem europäischen Kontinent gehört. Hier stehen einige der ältesten und größten Rhododendron-Exemplare in Deutschland. Zweite Tagesstation war der Rhododendron-Park D.G. Hobbie in Linswege, der ebenso mit besonders alten und großen Rhododendron-Pflanzen aufwarten konnte.
Den Tagesbaschluss bildete der Schlossgarten Oldenburg, eine historische Parkanlage im Stil des englischen Landschatsgartens.
Am 25. Mai ging es nach Schleswig-Holstein zur Baumschule H.Hachmann. Als besonderes Bonbon wurden der Besuchsgruppe exklusiv Rhododendron-Neuheiten präsentiert. Sichtlich stolz führten die Züchter Holger Hachmann und Bernd Wickhorst ihre Ergebnisse vor und ernteten reichlich Begeisterung. Besonders beeindruckende Züchtungen, die frühestens ab 2015 erhältlich sein werden, mussten kurze Zeit später bereits in Sicherheit gebracht werden - zu groß war die Nachfrage.
Nach einem ausgiebigen und guten Mittagessen wurde dann in Hamburg Planten un Blomen angefahren. Ohne einen Hafenbesuch ist ein Abstecher in die Hansestadt unvollständig. Mit einer historischen Barkasse schipperte die Gruppe auf der Elbe bei reichlich hohem Wellengang vorbei an Containerschiffen, Weften und Luxusjachten.

 

Teilnehmer der Tagung erhalten eine CD mit den Vorträgen, Bildern und Informationen zu den Exkursionszielen des Internationalen Symposiums. Interessierte, die keine Möglichkeit hatten, an der Jahrestagung teilzunehmen, können die CD bei der Geschäftsstellen anfordern.

 

Diesen hier stark gekürzt wiedergegebenen Artikel von Dr. Hartwig Schepker können Sie nachlesen in "Rhododendron & Immergrüne" Band 9, 2010.